Kryolipolyse / Lokale Kälteanwendung: Effizienz und Sicherheit

Als nicht-invasive Methode der umschriebenen Fettreduktion (nicht-invasives body contouring) hat in den letzten Jahren die lokale Kälteanwendung (Kryolipolyse) zunehmende Beliebtheit erlangt.  
Beispielsweise ergab eine kürzlich publizierte Übersicht der  American Society for Aesthetic Plastic Surgery 10 Mio ästhetische Eingriffe (USA) im Jahr 2014, wobei 40% auf nicht-chirurgische Verfahren entfallen. Weiters zeigt eine Übersicht der American Society for Dermatologic Surgery, dass die Nachfrage zur ästhetischen Gewichts- oder Fettreduktion 88% der kosmetischen Patienten betraf, gefolgt vom Wunsch zur Verbesserung von Hauttextur/Pigmentverändrungen (72%) und Faltenreduktion von 69%. An vierter Stelle lag die Nachfrage nach Fettreduktion im Kinn/Halsbereich (Doppelkinn) (Kilmer 2016)

Vergleich Liposuction

Während die Liposuction in Tumeszenz-Lokalanästhesie als Goldstandard der chirurgischen Fettpolsterentfernung gilt, sind inherente Risiken auch bei minimal-invasiven Operationen vorhanden, sodass häufig der Wunsch nach einem nicht-invasiven Verfahren besteht.

Wirkung Kryolipolyse

Dass lokale Kälteeinwirkung eine Panniculitis und nachfolgende Atrophie im Fettgewebe auslösen kann, ist in der Dermatologie schon lange bekannt (Popsicle-/ Eislutscher-Pannikulitis,   Epstein und Oren 1970). Fettgewebe bzw lipidreiche Zellen reagieren sensitiver auf länger einwirkende Kälte als wasser-reiches Gewebe und während Epidermis und Dermis bis zu – 10o C unbeschadet überstehen, kommt es zur Kristallisation der Lipide in Adipozyten bereits bei +10 o bis + 4 o C. Nach gängigem Konzept entstehen dabei auch radikale Sauerstoffspezies aus Mitochondrien, weiters entsteht durch die Kälte und Unterdruck bzw Sogwirkung (Applikator) eine verbesserte Wirkung erreicht (ischämie, nachfolgende Reperfusion). Letztendlich führt dies zur Apoptose von Adipocyten (Preciado et al 2008, Manstein et al 2008, Sasaki et al 2014).

Zahlreiche Fallberichte und klinische Studien zeigen bislang die Wirksamkeit und Sicherheit der Kryolipolyse für  verschiedene Körperareale wie Abdomen, Flanken, Hüften (love handles), Oberschenkel medial und lateral, mediale Knieregion, Arme, Pseudogynäkomastie sowie submentales Fett  (Doppelkinn) (siehe auch Ingargiola MJ et al. 2015, Derrick CD et al. 2015, Kilmer 2016). Dabei wird die Effizienz durch manuelle Massage für 2-5 Minuten und auch Stoßwellentherapie signifikant verbessert (Sasaki et al.2014 , Boey and Wadilenchuk 2014, Ferraro et al 2012). Sowohl manuelle Massage als auch radiäre Stoßwellen-Ultraschall werden bei uns routinemäßig durchgeführt.

Sicherheit und Nebenwirklungen

Die Sicherheit der Kryolipolyse Anwendung ist laut vorliegenden Publikation als sehr hoch zu bewerten. Es treten meist nur leichte Nebenwirkungen wie Erytheme, Blutergüsse, Schwellung, vorübergehendes Taubheitsgefühl und leichte oder mäßige Schmerzen. Wenngleich passagere Sensibilitätseinschränkungen für einige Wochen relativ häufig angegeben werden (Angaben in der Literatur differieren, siehe auch Übersicht von Ingargiola et al 2015, Derrick et al 20015), sind keine permanenten Gefäß- oder Nervenschäden bisher beschrieben (Coleman SR 2009, Derrick 2015, Ingargiola 2015, Cohen 2017, Lipner 2018).
Auch zeigen sich keine Veränderungen von Serumlipidspiegel oder Leberenzymen (Riopelle 2009).
Eine seltene Nebenwirkung ist die paradoxe Fettgewebshyperplasie, erstmals beschrieben von Jalian et al 2014 (Jalian et al 2014). Die Ursache dafür ist nicht geklärt, meist findet man eine Verdickung von Bindegewebssepten, Fettgewebshyperplasie (Jalian et al 2014), wenngleich keine konstante Pathologie in Biopsien anderer Autoren gefunden wurde (Singh et al 2015). Die Nebenwirkung scheint häufiger bei Männern im unteren Abdominal und Brust/Thoraxbereich vorzukommen und auf eine Stimulierung der Gewebsproliferation durch 3-6 Monate nach Therapie von eher bereits fibrösem Fettgewebe zurückzugehen (Keaney and Naga 2016, Singh 2015).

 

Literaturzitate beim Verfasser
Korrespondenzadresse:  Priv.Doz. Dr.med.univ. Alfred Grassegger, Dermatologe, Salurner Str 15, 6020 Innsbruck

 

Ästhetische Dermatologie
admin@hautlaser

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